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Tranzpositionen
Tanzen Sie gerne, meine Damen und Herren? Haben Sie sich auch schon gefragt: Was bringt den Körper in Bewegung.
Die Musik, der Rhythmus, die Stimmung: Was motiviert die tänzerische Bewegung Sowohl Künstler als auch Choreographen sind an diesen Fragen seit langem interessiert und die heutige Konzeptualität und Darstellung des Performativen — sowohl im Bereich des Tanzes wie auch des Kunstwerks — bestätigen dies. Der tanzende Körper, der Mensch, dessen Bewegung flüchtig und zeichenhaft ist, war immer schon für die bildende Kunst als Motiv von Interesse, insbesondere aber, das herausfordernde Darstellungsproblem von Raum und Zeit zu behandeln.
Die Ausstellung »tranzpositionen« betrachtet den Tanz aus der Sicht der Bildenden Kunst und der Interaktion und präsentiert im Rahmen des Großraumfestivals »tanzen!08 – die Region bewegt sich« eine interdisziplinäre Schau mit den Künstlern Katrin Kaa Riedl, Michel Schmidt, Andrea Spreafico, Beate Terfloth und Peter Wendl.
Im Kontext des Projektes »tanzen!08« bietet sie mit den realisierten Rauminstallationen einen wesentlichen Beitrag an der Schnittstelle von bildender und darstellender Kunst. Alle Installationen behandeln in je spezifischer Weise tänzerische zweckfreie Bewegung als eine Möglichkeit, Raum zu konstituieren, Koordinaten zu bestimmen, den individuellen Körper zu verorten, einen Gruppenkörper zu bilden, integriert in die kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen des öffentlichen Raums – und dies in Abhängigkeit vom Blick der Agierenden – nämlich der Tänzer wie auch des Publikums.
»transpositionen« zeigt Beispiele wie bildende Kunst und Tanz in ein Wechselspiel eintreten und damit die jeweiligen Rahmenbedingungen – also die Produktions- und Rezeptionsbedingungen reflektieren. Dies ist zunächst die Loslösung der tänzerischen Bewegung von ihrer traditionellen Ursache und Ausschließlichkeit, der Musik, auch die Problematisierung der Zuschauerposition und die Entdeckung der alltäglichen Bewegung als eine zeichenhafte. Das ist weiter die Erforschung der Motivation und Koordination von Bewegungsabläufen, die Fruchtbarmachung der Bewegungsexperimente für die minimalistische Skulptur wie sie die Arbeit »Taped territory« von Beate Terfloth eindrucksvoll vorführt.
Das ist aber auch die Dezentralisierung des Zusammenspiels von mehreren Tänzern und der Bühnenraumhierarchie, wie wir sie in der Infraskulptur »Hangar für ein selbstverwaltetes Leitsystem« von den drei Künstlern Michel Schmidt, Andrae Spreafico und Peter Wendl erleben können. Und schließlich ist es die multimediale Wiedereinführung erzählerischer Elemente verbunden mit der Entwicklung experimenteller dokumentarischer Aufzeichnungsformen, wie Katrin Kaa Riedls »Neo-Hippie-Lounge« zeigt.
Dies alles sind Aspekte, die die Wege und Verzweigungen der Ausstellung bestimmen. Sie sind herzlich eingeladen, meine Damen und Herren, diese Wege und die damit verbundenen Veranstaltungen mitzugehen.
Beate Terfloth »Taped territory«
Die in Berlin lebende Künstlerin Beate Terfloth bietet mit ihrer Arbeit »Taped territory« eine skulpturale Raumsituation, die sich mit der Visualisierung von Raumgrenzen, von Raster und freier Bewegung beschäftigt. Wie eine dreidimensionale Zeichnung überspannt sie zwei Räume und ergibt in der Zusammenarbeit mit Choreographen eine getanzte Raumabfolge - eine metaphorische Umsetzung von »Raum in Anspruchnahme«. Beate Terfloth greift damit die Thematik von Grenzsituation und dessen Überschreitung auf, bezieht aber gleichzeitig den historischen Zusammenhang des ehemaligen KOMM und seiner bewegten Geschichte mit ein. Die gestalterische Sparsamkeit ermöglicht dem Betrachter dabei, den Verlauf der Linien, der Setzungen mit farbigen Tapes, einzeln mit dem Auge nachzugehen. Denn so wie die Linien des Bodendiagramms zwischen Abstraktion und Bedeutung hin und herschwanken, so ambivalent steht auch die Zeichnung in ihrer Beziehung zu Fläche und Raum. Die Tänzer sind aufgefordert diese Liniengefüge, die »taped territories« in eine andere Ebene, in imaginierte Pfade zu überführen.
Katrin Kaa Riedl »Neo-Hippie-Lounge«
Die Medienkünstlerin Katrin Kaa Riedl arbeitet interdisziplinär, prozesshaft und assoziativ, kombiniert Video installativ mit Objekten, Fotografie oder auch in Kunstharz verewigte Banalitäten – dies jeweils eingesetzt in Kultsituationen und schafft mit Verkitschung, berauschender Medienkombination und künstlerischem Eigensinn interdisziplinäre Verknüpfung. Für die Ausstellung hat sie zum Thema Tanz und Bewegung eine Raum greifende »Neo-Hippie-Lounge« - eine Art Gesamtkunstwerk entworfen, die sowohl begehbares Kunstwerk als auch performativer Bühnenraum ist und bezieht sich darin auf das ehemalige Thaihaus, das mit der Punk und Hippiezeit in der Geschichte des heutigen K4 zurückführt.
Michel Schmidt, Andrea Spreafico und Peter Wendl »Hangar für ein selbstverwaltetes Leitsystem«
Mit ihrer komplexen Infraskulptur – dem »Hangar für ein selbstverwaltetes Leitsystem« - lassen die Künstler Michel Schmidt, Andrea Spreafico und Peter Wendl den Ausstellungsbereich zur Requisite, die Requisite zur sich verändernden Ausstellung werden. Durch die modulare Bauweise lässt sich die Skulptur in der Zusammenarbeit mit den Choreographen jeweils an die individuellen Anforderungen anpassen. Während der Inszenierungen dient das Leitsystem sowohl als Bühnenraum als auch zum Transport von Requisiten, Tänzern aber auch Besuchern.
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Tranzpositionen
02.04.–18.04.2008
Kunsthaus , Königstraße 93, 90402 Nürnberg, Tel.: 0911/ 203110
Eintritt frei
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinien 43 bzw. 44/ Straßenbahnlinien: 4, 5, 7, 8, 9/ U-Bahnlinien: U1 und U2/ jeweils Haltestelle Hauptbahnhof
Hauptförderer von tanzen!08:
Programmheft-Download
Hier können Sie sich das Gesamtprogramm von tanzen!08 als PDF herunterladen.
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