Vorträge
Alljährlich widmet sich eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe dem Thema Dürer und Nürnberg. Die Vorträge finden am Samstag, den 7. August 2004 im Albrecht-Dürer-Haus statt. Themen sind u.a. der Kupferstich Adam und Eva oder Dürers Heimatstadt.
Albrecht-Dürer-Haus
Albrecht- Dürer-Straße 39
Tel. (0911) 231-2568
Eintritt: inkl. Museumsbesuch 5 Euro, alle Vorträge 18
Euro
Verkauf der Vortragskarten ab 20. Juli an der Museumskasse.
Das Programm im Einzelnen:
10 Uhr
Prof. Dr. Berthold Hinz, Universität Kassel
Mann und Weib
Dürers frühzeitiges Interesse am weiblichen und männlichen Akt floss bald in seine zahlreichen Darstellungen von Adam und Eva, bei denen sowohl emotionale Werte als auch kunsttheoretische Konzepte zur Anschauung kommen. Endlich bestimmen Paare durchgehend sein Werk „Von menschlicher Proportion“. Es geht um Fragen einer Anthropologie der Geschlechter in Dürers Werk.
Berthold Hinz, geb. 1941 in Königsberg/Pr., lehrt Kunstgeschichte an
der Kunsthochschule/Universität Kassel.
11 Uhr
Dr. des. Anna Scherbaum, Bamberg
Albrecht Dürers drei „Große Bücher“: Neue Wege in der Buchkunst
1511 gab Albrecht Dürer drei „Große Bücher“ im Selbstverlag heraus: Das „Marienleben“, die „Große Passion“ und eine Zweitausgabe seiner lateinischen „Apokalypse“. Diese drei Andachtsbücher begründeten nicht zuletzt Dürers europaweiten Ruhm. Der ästhetische Anspruch stellt ein Novum in der Buchgestaltung dar.
Dr. des. Anna Scherbaum, geb. 1968 in Würzburg, Studium der Kunstgeschichte
und Neueren Deutschen Literatur in München und Berlin. 1995 Magister
Artium mit einer Arbeit zu Tintorettos Markusbildern, 2002 Promotion an der
FU Berlin mit dem Thema „Albrecht Dürers ’Marienleben’.
Ein Buch im geistigen Umfeld des Nürnberger Klosterhumanismus“.
1995-97 Volontariat beim Museumspädagogischen Dienst Berlin. Betreute von 1995-2002 die Dürer-Sammlung Otto Schäfers in Schweinfurt. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am vom Germanischen Nationalmuseum herausgegebenen Werkverzeichnis der Druckgraphik Albrecht Dürers. Seit 2003 Museumspädagogin im Kunst- und kulturpädagogischen Zentrum der Stadt Nürnberg (KPZ).
14 Uhr
Priv.-Doz. Dr. Ulrike Heinrichs-Schreiber
Den Hasen im Sprung erhascht
Albrecht Dürers „Marienleben“
Auf der Titelseite in Albrecht Dürers „Marienleben“ wird provokativ der Vorrang der Bilder vor dem Text festgestellt: Die Geschichte Mariens wird in den Bildern erzählt, die Verse des Benediktinermönches Chelidonius sind diesen beigegeben. Was hält diese außerordentlich vielgestaltige und an überraschenden Einfällen reiche Holzschnittfolge zusammen? Die Rolle Mariens in der Heilsgeschichte kommt auf stringente und überaus spannungsreiche Weise zur Darstellung. Darüber hinaus informieren die Holzschnitte über die innere Struktur und die Anwendungsmöglichkeiten einer Bildandacht.
Priv.-Doz. Dr. Ulrike Heinrichs-Schreiber: Studium der Kunstgeschichte,
der Romanistik und der Christlichen Archäologie in Freiburg und Paris, Promotion
1992, Volontariat am Germanischen Nationalmuseum, universitäre Lehre
und Forschung seit 1995, Habilitation an der Ruhr-Universität Bochum
2003 über Martin Schongauer.
15 Uhr
Dr. Anke Fröhlich, Dresden
Albrecht Dürers „Große Holzschnitt-Passion“
Adams und Evas Sündenfall war Ursache für die Passionsgeschichte. Was hat deren Darstellung aus heutiger Sicht, mit den Sehgewohnheiten des 21. Jhs betrachtet, zu sagen? Wie „funktionieren“ diese Bildzyklen? Die Kleine und die Große Holzschnitt-Passion im Vergleich. Der Tradition folgend, stellt Albrecht Dürer in seiner Kleinen Holzschnitt-Passion Adams und Evas Sündenfall als Ursache an den Anfang der Passionsgeschichte. Am Ende seiner Passionsfolgen (der Großen und der Kleine Holzschnitt-Passion, der Kupferstich-Passion) zeigt er, wie Christus Adam und Eva aus der Vorhölle befreit. Dazwischen schildert er in einer Folge von Bildern die Stationen der Passionsgeschichte. Wie er das macht und worin sich die Folgen unterscheiden; wie sich die Einzelblätter zueinander verhalten und mit welchen Mitteln Dürer ein über die Blätter hinausgehenden Zusammenhang der Folge schafft, dem geht der Vortrag nach.
Dr. phil. Anke Fröhlich schrieb ihre Magisterarbeit über
Albrecht Dürers Große Holschnitt-Passion. Dies war Grundlage für
folgende Beiträge: Albrecht Dürer am Oberrhein“. In: Staatliche
Kunsthalle Karlsruhe (Hg.), Spätgotik am Oberrhein. Maler und Werkstätten.
Große Landesausstellung Baden-Württemberg, Ausstellungskatalog
Karlsruhe 2001/2002, Stuttgart 2001, S. 399-407, S. 468-471 “Die
Große
Passion“. In: Dürer. Germanisches Nationalmuseum (Hg.), Das
druckgraphische Werk Band II, Nürnberg 2002, S.176-213 „Albrecht
Dürers Große
Holzschnitt-Passion. Betrachtung eines spätmittelalterlichen Bildzyklus
aus der Sicht des 20. Jahrhunderts“. In: Jahrbuch der Staatlichen
Kunstsammlungen, Dresden (in Druckvorbereitung, Publikation Frühjahr
2004). Sie promovierte über
die Landschaftsmalerei in Sachsen im 18. Jahrhundert und arbeitet als
freie Kunsthistorikerin in Dresden.
16 Uhr
Dr. Elisabeth Trux
Symbolisches und Sinnliches als Elemente der Tierdarstellung
Dürers
Im Adam-und-Eva-Stich des Jahres 1504 brachte Dürer etliche seiner bis dato entstandenen Tierstudien als Verkörperungen der menschlichen Temperamente unter. Jenseits dieser symbolischen Funktion erfüllen diese Tiere sowohl kompositorische Aufgaben wie sie auch die Palette der Oberflächenstruktur – also die sinnlich haptische Ausdrucksebene – des Stiches steigern. Die Entwicklung bei Dürer vom Tier als symbolischer Repräsentant bei exakt studierter Organismusstruktur bis hin zum autonomen Trophäenbild des Hirschkopfes mit Pfeil – dieses Blatt trägt zwar auch die Jahreszahl 1504, ist aber wohl ein Jahrzehnt später entstanden – ist das Thema dieses Vortrags.
Dr. Elisabeth Trux: Studium der Kunstgeschichte, mittelalterlicher Geschichte
und historischer Hilfswissenschaften in München und Würzburg – M.A.
1985, Promotion 1991; Ausstellungs-, Museums- und Bestandsarbeit, universitäre
Lehre in Kontinuität seit 1991, Publikationen u. a. zu historischem Glas,
Porzellan, Picasso, Gerhard Richter und informeller Kunst.
17 Uhr
Dr. Thomas Schauerte
Das Rätsel der fünf Tage
Das 1506 laut Beischrift in nur fünf Tagen entstandene Gemälde „Christus unter den Schriftgelehrten“ hat den Gelehrten seit jeher Kopfzerbrechen bereitet und Anlass zu allerhand Spekulationen gegeben. Zerlegt man es in seine Bestandteile, so ergeben sich merkwürdige Querverbindungen, die mit Dürers übrigem Werk schwer in Einklang zu bringen sind.
Dr. Thomas Schauerte, geboren 1967 in Aachen, studierte Kunstgeschichte
in Erlangen, Wien und Berlin. Dort 1999 Promotion über Dürers „Ehrenpforte“ für
Kaiser Maximilian I.; Mitarbeit am Werkverzeichnis der Dürer-Graphik
des GNM; Kurator und Katalogautor der Osnabrücker Dürer-Ausstellung
2003; z. Z. Lehrauftrag an der Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte:
Dürerzeit, mittelalterliche Antikenrezeption, süddeutscher Barock.
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