Vortragsreihe zu „Adam und Eva”
Samstag, 4. August, 10-18 Uhr
Albrecht-Dürer-Haus, Albrecht-Dürer-Str. 39
Eintritt: 4 Euro pro Vortrag, alle Vorträge 15 Euro
Die traditionellen Dürer-Vorträge widmen sich heuer ebenfalls dem Thema Adam und Eva. Dürer-Spezialisten aus aller Welt halten ihre Vorträge hierzu am Samstag, den 4. August von 10-18 Uhr im Albrecht-Dürer-Haus.
10:00 Uhr: Abbilder der Vollkommenheit: 500 Jahre Dürers „Adam und Eva”
Mit seinem Kupferstich von 1504 und den monumentalen Tafeln
im Prado von 1507 entwirft Albrecht Dürer (1471–1528) in
unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksmedien den ersten Mann
und die erste Frau als „Abbilder der Vollkommenheit”. Erstmals in der
nordalpinen Kunst konzentriert sich die Darstellung von Adam und
Eva nicht primär auf die Präsentation der Ursünder, sondern
thematisiert den idealen Zustand des Menschen vor dem Sündenfall.
Der Vortrag würdigt Dürers Bildfindungen zu diesem Thema, und legt
aus gegebenem Anlass seinen Schwerpunkt auf die Gem älde im Museo del Prado in Madrid und ihre Geschichte.
Einführung durch Dr. Thomas Eser
Dr. Christian Schoen, Center for Icelandic Art, Reykjavik
Geboren 1970 in Marburg, studierte Kunstgeschichte, Psychologie und Politikwissenschaft in Kiel und München. Er promovierte über „Albrecht Dürers Adam
und Eva” (Reimer-Verlag, Berlin 2001). Von 2000 bis 2003 leitete er die
lothringer13/halle, München, seit 2001 die OSRAM ART PROJECTS, München.
Er unterrichtete am Kunsthistorischen Institut München und ist seit 2004
Lehrbeauftragter für Disziplinübergreifende Methoden an der Universität St.
Gallen. 2005 ging er als Direktor des CIA.IS – Center for Icelandic Art,
Reykjavík. Dort ist er u.a. Vorstandsmitglied und Mitglied des Ankaufskommittees des Reykjavik Art Museums. Im Rahmen der 52. Biennale di Venezia 2007 ist er als Kommissar für den Isländischen Pavilion zuständig.
Veröffentlichungen zur klassischen Kunst, zur Gegenwartskunst und zu den
neuen Medien.
11:00 Uhr: „Der Tod der Crescentia Pirckheimer” Ein Dürer – ja oder nein?
Der „Tod der Crescentia Pirckheimer” ist eine Bildkomposition,
die uns bis auf den heutigen Tag in vier verschiedenen Fassungen
vorliegt. Alle diese Fassungen tragen das Monogramm Albrecht
Dürers. Beachtenswert sind zwei kleinformatige Aquarelle, denn,
wie Quellen seit dem 17. Jahrhundert berichten, ist eines von
diesen wohl von Albrecht Dürer gemalt worden. Doch welche
dieser Miniaturen ist das Original? Wer fertigte die Kopien an?
Oder ist das Original gar verschollen?
Eine Frage, die die Dürer-Forschung bislang unbeantwortet ließ.
Einführung durch Dr. Matthias Mende
Anja Döbbelin, Nürnberg
Anja Döbbelin, geboren 1981, studierte Kunstgeschichte und Italoromanische
Philologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrer Magisterarbeit befaßte sie
sich mit der „Imhoff'schen Stiftungstafel” von Georg Gärtner d. J. in der Rochus-Kapelle zu Nürnberg.
12:00 Uhr: Mittagspause
14:00 Uhr: Der Dürer-Deal. Frühe Sammler, Kunsthändler und Fälscher in Nürnberg
Albrecht Dürer gehörte zu den berühmtesten Künstlern seiner
Zeit, viele Werke wurden bereits zu seinen Lebzeiten kopiert,
aber auch gefälscht. Nach seinem Tod 1528 reißt die Reihe der
Nachahmungen nicht ab, neben Druckgraphiken werden nun
auch Gemälde und Zeichnungen plagiiert. Bislang gelten die
Fälschungen als Phänomen der „Dürer-Renaissance” um 1600,
tatsächlich treten sie sehr viel früher auf. Der Vortrag spürt den
Verflechtungen von Kunsthändlern, Sammlern, Kopisten und
Fälschern des 16. Jahrhunderts nach und versucht mehr Licht
in den Nürnberger „Dürer-Deal” zu bringen.
Einführung durch Dr. Thomas Eser
Dr. Anja Grebe, Nürnberg
Anja Grebe, geb. 1968, Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Publizistin,
ist freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanischen Nationalmuseum
und Lehrbeauftragte der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie ist Autorin der
Biographie „Albrecht Dürer. Künstler, Werk und Zeit” (Darmstadt 2006)
und arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt zur Dürer-Rezeption ab
dem 16. Jahrhundert.
15:00 Uhr: Dürer oder Raffael: Ein Kunststreit als Thema der literarischen Romantik
Die Frage, in welchem Sinn Dürer vor der Renaissancemalerei in
Italien bestehen kann, reicht weit zurück. Zur Zeit der Romantik
lebte der Disput wieder auf. Besonders in der deutschen Literatur
wurde Dürer – seit J.H. Merck und J.W. Goethe – mit neuem
Enthusiasmus als „deutscher” Künstler deklariert. Für die
jüngeren Romantiker wie Tieck und Wackenroder wurde der
Nürnberger Künstler zum Inbegriff einer „altdeutschen” Kunst,
die der Antike-Verehrung der deutschen Klassik entgegenhalten
wurde. So durfte Dürer bisweilen selbst als Romanfigur auftreten
(wenngleich als kränklicher Mann wie auch bei E.T.A. Hoffmann).
Raffaels Malerei ist dabei der allgegenwärtige Gegenpol – bis sich
der Dürer-Kult im 19. Jahrhundert seinem Ende zuneigt.
Einführung durch Dr. Anna Scherbaum
Dr. Reinhard Heinritz, Uni Bamberg
Reinhard Heinritz (geb. 1954); Studium der Germanistik, Anglistik und
Philosophie in Erlangen und Hull (England); Privatdozent im Fach Neuere
deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg; Lehrer für die
Fächer Deutsch und Englisch am Gymnasium Albertinum, Coburg.
Forschungsgebiete: „Kleists Erzähltexte” (Promotion, 1983); „Weltreisebeschreibungen des 18. und 19. Jahrhunderts” (Habilitation, 1998);
zahlreiche Publikationen zur Literatur der Frühen Neuzeit, zur Romantik
(u. a. E.T.A. Hoffmann), zur Reiseliteratur und zur Wechselwirkung von
Kunst und Literatur („Buchillustration als Kunstform”, 1999; „Dürer in der
Literatur”, 2001).
16:00 Uhr: Dürer in Mexiko
Einem Tagebucheintrag auf der Reise in die Niederlande ist zu entnehmen, dass Dürer von Kunstgegenständen aus der Neuen Welt,
die er in Brüssel gesehen hatte, fasziniert war. Diese Bewunderung
beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit. Auch das druckgraphische
Werk des Nürnbergers erfreute sich bei den Künstlern in Neuspanien,
dem heutigen Mexiko, im 16. und 17. Jahrhundert großer Beliebtheit.
Die Dürerrezeption in Amerika arbeitete jedoch mit anderen Techniken,
etwa dem Federmosaik. Auch neue Ikonographien und neue Prinzipien
der Raum- und Figurendarstellung sind zu beobachten, so etwa in den
1562 datierten Deckengemälden der Kirche des Franziskanerordens in Tecamachalco von dem indigenen Künstler Juan Gerson.
Einführung durch Dr. Matthias Mende
Dr. Margit Kern, Berlin
Margit Kern, geb. 1968, Studium der Kunstgeschichte, Theaterwissen
schaften und Philosophie in Erlangen, Wien und Berlin, Promotion 1998
„Tugend versus Gnade. Protestantische Bildprogramme in Nürnberg,
Pirna, Regensburg und Ulm”, 2000 mit dem Martin-Luther-Preis für den
akademischen Nachwuchs durch die Luther-Gesellschaft e.V. ausgezeichnet, 1998 bis 2002 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, seit 2002 Wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität,
Publikationen zur deutschen, spanischen bzw. iberoamerikanischen und
italienischen Kunst der Frühen Neuzeit, über Altarbaukunst sowie über
Doppelcodierung und Neusemantisierung von Bildzeichen in verschiedenen
Konfessionen und Religionen, Habilitationsprojekt: „Transkulturelle
Imaginationen. Die Opfer der Mexica in der Kunst Europas”.
17:00 Uhr: Albrecht Dürers „Adam und Eva” in der italienischen Kunst und Literatur der Renaissance und des Barock
Publikationen u. a.: Dürer e Italia (Roma 2007, Mitarbeit), Albrecht
Dürer teorico dell architettura. Una storia italiana, Firenze, Olschki, 1999; A. Dürer, C. Bartoli, Institutiones geometricae; Geometrici Elementi di Alberto Durero, edizione, saggio introduttivo e note di G. M. Fara, Firenze-Torino, Istituto Nazionale di Studi sul Rinascimento- Aragno, 2007; Albrecht Dürer. Originali, copie, derivazioni, Firenze, Olschki, 2007 (Soprintendenza Speciale per il Polo Museale Fiorentino, Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi, Inventario Generale delle Stampe; Albrecht Dürer. Lettere da Venezia, Milano, Electa, 2007.
Einführung durch Dr. Rainer Schoch
Dr. Giovanni Maria Fara, Uffizien, Florenz
Giovanni Maria Fara, geb. 1969 in Bologna ist Gymnasiallehrer für Kunstgeschichte. Er hat an der Universität Florenz Romanistik studiert (1996)
und den Magister-Titel im Bereich Restaurierung und Denkmalpflege an
der Scuola Normale Superiore in Pisa erworben (1999). Vertiefende Studien
folgten im Fach Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Siena
(2003). Dort promovierte er in Klassischer Philologie und Kunstgeschichte
(2003). Momentan forscht Giovanni Maria Fara am l'Instituto Nazionale di Studi sul Rinascimento in Florenz.
